Servicekaufmann/frau im Luftverkehr

Allgemeine Informationen

Einsatz am Serviceschalter eines Flughafens
Der Kundenschalter an Flughäfen ist der Haupteinsatzort der Servicekaufleute
© Flickr; mikecogh

Neben den zahlreichen technischen Berufen, die wir Euch in dieser Artikelserie nach und nach vorstellen, wollen wir natürlich auch den Bereich der kaufmännischen Berufe in der Luft- und Raumfahrt nicht vernachlässigen. Wir haben uns daher heute mit der Gruppe der Servicekaufleute mal wie­der ei­nen so­lchen nicht-tech­nischen Arbeits­be­reich heraus­ge­pickt. Die­se fungieren als zen­trale Schnitt­stelle zwi­schen den unter­schied­lichen Flug­hafen­insti­tutionen, den Flug­gesell­schaf­ten und den Passa­gieren. Jeder Fluggast begegnet ihnen auf zahlreichen Etappen einer Reise: Bei der telefonischen Auskunft und Buchung eines Fluges, beim Check-in am Schalter des Flughafens, bei der Gepäckannahme und dem Boarding, der Verpflegung während des Fluges und häufig auch bei der Begrüßung am Zielflughafen. Dabei wirken die Servicekaufleute nicht nur bei der Passagierabfertigung und -betreuung mit, sondern erfüllen auch zahlreiche organisatorische Aufgaben im Bereich der Flugzeugabfertigung. Nicht zuletzt erlaubt die kaufmännisch ausgerichtete Ausbildung auch den Einsatz in den Bereichen Marketing, Personalwesen oder Verkehrsabrechnung. Wir erkennen schon an dieser kurzen Aufzählung die extreme Vielseitigkeit, die ein Servicekaufmann bzw. eine Servicekauffrau im Alltag zu leisten hat. Wie üblich sollen in unserem Artikel speziell die Aufgabenfelder und die Ausbildung dieser Berufsgruppe im Fokus stehen.

Tätigkeitsbereiche

  • Beratung und Betreuung von Fluggästen

    • Information am Schalter (z.B. über Flugverbindungen, Tarife, verfügbare Plätze, Einreise- und Zollbestimmungen)
    • Betreuung besonderer Personengruppen (z.B. ältere Menschen, alleinreisende Kinder, Menschen mit Behinderung, Reisegruppen)
    • Sonderbetreuung der First- und Business-Class sowie VIPs
    • Empfang der Fluggäste nach der Landung
  • Abfertigung von Fluggästen

    • Abrufen und Prüfen von Flugbuchungen, Kontrolle von Ausweisdokumenten
    • Zuweisen der Sitzplätze, Aushändigen der Bordkarten
    • Entgegennehmen, Wiegen, Kennzeichnen des Gepäcks
    • Erteilen von Auskünften über Abflug, Warteraum und Sicherheitsverfahren
    • Ansagen von Flugplanänderungen, Verspätungen oder Annullierungen
    • Gate-Abfertigung, Kontrolle der Bordkarten
    • Weiterleiten von Passagierzahlen und Gepäckmenge zur Erstellung der Flugunterlagen
  • Betreuung und Versorgung von Passagieren während des Fluges

    • Servieren von Mahlzeiten und Getränken
    • Information über Sicherheitsvorschriften und -vorkehrungen
    • Versorgung bei Erkrankungen oder Unfällen
    • Durchführen von Rettungs- und Bergungsaufgaben im Flugnotfall
  • Leistungen im Gepäckservice

    • Annahme und Ausgabe des Gepäcks
    • Aufnahme und Abwicklung von Verlust-, Fund- und Beschädigungsmeldungen
  • Sicherheitsaufgaben

    • Durchführen von Sicherheits- und Gepäckkontrollen
    • Überprüfung von Sicherheitseinrichtungen, wie Feuerlöscher, Brandmeldeanlagen und Türen
    • Einleiten von Notfallmaßnahmen in Gefahrensituationen
  • administrative Aufgaben

    • Koordination von Flugzeugbe- und -entladung, Catering, Ver- und Entsorgung, Passagier- und Crew-Transport
    • Zusammenstellung von Unterlagen zur Flugvorbereitung (z.B. Wetterbericht, Flugplan, Passagierliste)
    • Erstellung von Dienst- und Schichtplänen, Überwachung und Koordination von Dienstplanänderungen
    • Bearbeitung von Zahlungs- und Abrechnungsvorgängen
    • Mitwirkung bei Marketingmaßnahmen
    • Aufnahme von Kundenfeedback
  • Verkauf von Produkten und Dienstleistungen von Fluggesellschaften und Flughäfen

    • Führung von telefonischen und persönlichen Beratungs- und Verkaufsgesprächen
    • Bearbeitung von Platzreservierungen und Buchungen
    • Ausstellung von Tickets
    • Berechnung von Flugpreisen, Ausarbeitung von individuellen Angeboten für Firmenkunden, Agenturen oder Reiseveranstalter
    • Reservieren von Hotelzimmern und Mietwagen

Die Servicekaufleute leisten einen umfassenden Dienst für den Fluggast und sind darüber hinaus organisatorisch und kaufmännisch für den alltäglichen Betrieb des Flughafens tätig. In Bezug auf den Umfang und die Vielseitigkeit gehen ihre Aufgaben also zum Beispiel weit über die des klassischen Flugbegleiters hinaus. Aufgrund ihres umfassenden Kundenkontakts werden sie als wichtige Repräsentanten der Flughäfen und Fluggesellschaften angesehen.

Die berufliche Erstausbildung zum Servicekaufmann bzw. zur Servicekauffrau im Luftverkehr dauert drei Jahre und ist in einem regelmäßigen Wechsel zwischen einem Ausbildungsbetrieb und einer Berufsschule organisiert. Dies wird sowohl als duale Ausbildung als auch in einer rein schulischen Ausbildung mit entsprechenden Praktika angeboten. Auszubildende werden überwiegend bei Linien- und Charterfluggesellschaften, Flughäfen und Abfertigungsgesellschaften angenommen und in Schalterhallen in Flughäfen, an Bord von Flugzeugen oder in Büros von Reiseveranstaltern oder Fluggesellschaften eingesetzt. Rechtlich ist zwar keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben, Betriebe oder private Berufsschulen stellen jedoch fast ausschließlich Abiturienten ein.

Die Ausbildungsvergütung richtet sich bei der dualen Ausbildung überwiegend nach tarifvertraglichen Vereinbarungen und beträgt im Durchschnitt etwa 770 Euro im Monat (Stand: Januar 2011). Das Berufsbildungsgesetz sieht die Möglichkeit vor, einen Teil der Ausbildung im Ausland abzuleisten. Die Auslandsaufenthalte müssen im Ausbildungsvertrag offiziell vereinbart werden und können eine Dauer von bis zu neun Monaten haben. Die Abschlussprüfung besteht aus einer schriftlichen (vierstündige Prüfung mit praxisbezogenen Aufgaben und Fällen) und einer mündlichen Komponente (20-minütiges Prüfungsgespräch über praktische Bereiche des Berufs) und wird bei einer Industrie- und Handelskammer abgelegt.

Voraussetzungen

  • Gutes bis sehr gutes mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen (alltägliche Kommunikation mit Kunden und Kollegen ist zentrales Element des Berufs)
  • Kontaktfreudigkeit, Höflichkeit, gute Umgangsformen
  • Fremdsprachenkenntnisse sind vorteilhaft
  • Textverständnis, Rechtschreibsicherheit
  • Rechenfertigkeiten, Merkfähigkeit, Verhandlungsgeschick
  • Kaufmännische Befähigung (Kosten-Nutzen-Denken, gewinnorientiertes Handeln, Verständnis für Budget-Denken)
  • Planungs- und Organisationstalent (eigenständiges Erstellen von diversen Plänen, Reagieren auf kurzfristige Umstellungen, lösungsorientiertes Denken)
  • Flexibilität, Selbstsicherheit
  • Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein
  • Physische Belastbarkeit, Bereitschaft zu Reisetätigkeit und flexiblen Arbeitszeiten
  • Wichtige Schulfächer: Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen, Wirtschaft, Geographie
Servicekaufmann an Bord
Immer im Dienst am Fluggast, egal ob am Boden oder in der Luft
© Flickr; changing_name

Ihre Chan­cen auf dem Arbeits­markt können Service­kauf­leute durch den Er­werb von Zu­satz­quali­fika­tionen ent­schei­dend ver­bessern. Die­se können be­reits wäh­rend der Aus­bil­dung bei Be­trie­ben, Berufs­schu­len und Kammern er­wor­ben wer­den. So lassen sich Zeug­nisse und Zerti­fi­kate beispielsweise in Fremd­sprachen­kur­sen, Schu­lungen für den Um­gang mit spe­ziellen Soft­ware-Sys­temen, Ver­tiefung­en in die Buch­hal­tung, Kommu­nika­tions- und Ver­kaufs­trai­nings oder Pro­jekt­manage­ment-Kur­sen er­werben. Nach einer ab­ge­schlossen­en Aus­bil­dung bie­ten sich zahl­reiche Mög­lich­kei­ten zur Wei­ter­bil­dung und einer damit ein­her­gehen­den Ge­halts­stei­ge­rung. So kann eine Spe­zialisie­rung auf Einzel­aspekte des Be­rufs (z.B. Verkaufs­berater oder Vertriebs­assistent) an­gestrebt werden. Einen for­malen Auf­stieg erreicht man außer­dem auch durch die Prü­fung zum Tourismus­fachwirt bzw. zur Tourismus­fachwirtin oder zum Verkehrs­fachwirt bzw. zur Ver­kehrs­fach­wir­tin. Auch ein An­schluss­stu­di­um im Be­reich der Be­triebs- oder Ver­kehrs­wirt­schaft ist als wei­te­rer Ka­rriere­schritt den­kbar. Die tarifliche Bruttogrundvergütung für Servicekaufleute kann zwischen 2.000 und 2.500 Euro im Monat liegen (Quelle: Statistisches Taschenbuch Tarifpolitik - WSI-Tarifarchiv 2011). Dabei werden in der Regel auch die Berufserfahrung und die übertragene Verantwortungstiefe berücksichtigt. Neben der Grundvergütung werden teilweise Zulagen und Sonderzahlungen wie das 13. Monatsgehalt oder Urlaubsgeld gezahlt. Es treten allerdings auch regionale und branchenabhängige Einkommensunterschiede auf.

Der Berufsgruppe werden aktuell sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausgerechnet, da man in Deutschland nur in vergleichsweise wenigen Unternehmen Servicekaufleute ausbildet. Außerdem führt der stetig wachsende Tourismussektor zu einer beständigen Nachfrage nach ausgebildeten Fachkräften in diesem Bereich.

Ihr seid kommunikativ, freundlich, kreativ und flexibel? Dann ist vielleicht das Berufsfeld der Servicekaufleute etwas für Euch. Eine mögliche Anlaufstelle für die Ausbildung ist zum Beispiel die Schule für Tourismus in Berlin. Auf dem Unternehmensprofil der Berufsschule hier auf aircareer.de findet Ihr weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten.

Zum Abschluss haben wir noch einen Videotipp für Euch: In diesem empfehlenswerten Filmbeitrag stellen Euch Auszubildende der Lufthansa am Flughafen Frankfurt ihren Ausbildungsberuf etwas genauer vor.

Viel Erfolg bei der Bewerbung wünscht Euch Euer aircareer.de-Team