Dein Traum vom Fliegen – Karrieremöglichkeiten in der Luft- und Raumfahrt Teil XIV: Werkstoffprüfer/in
Karriere machen in der Luft- und Raumfahrt, das klingt eigentlich nach einem soliden und gleichzeitig aufregenden Plan. Aber was wird man dann eigentlich? "Flugzeugbauer"? "Hubschrauber-Designer"? Wonach muss ich suchen, um später auch das zu machen was mir Spaß macht?
Um diese Fragen beantworten zu können, wollen wir euch als Teil unseres Karriere-Magazins in regelmäßigen Abständen verschiedene Berufsfelder aus der Luft- und Raumfahrt vorstellen. Von Ausbildungsberufen über Studiengänge bis hin zu Dualen Studiengängen soll für jeden etwas dabei sein.
Teil XIV - Werkstoffprüfer/in
Allgemeine Informationen
Werkstoffprüfer
im EinsatzBildquelle: BDLI.de (Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V.)
Bevor die von Konstrukteuren, Technikern, Mechanikern und Elektronikern so gewissenhaft erstellten Bauteile auch in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen können, müssen sie genauestens auf ihre Qualität hin überprüft werden. Denn auch der Einsatz von Präzisionsmaschinen beim Drehen, Schleifen und Bohren der Werkstücke bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor kleineren und größeren Ungenauigkeiten, unvorhergesehenen Materialschwächen oder groben Bearbeitungsfehlern. Ein Ausfall von Triebwerken, ein Riss der Außenhaut oder ein Bruch von Flügelelementen darf nach dem Abheben des Fluggeräts keinesfalls vorkommen und genau aus diesem Grund befassen sich Werkstoffprüfer vor dem Einbau eingehend mit den zu montierenden Einzelteilen.
Hierfür greift der Werkstoffprüfer auf zahlreiche mechanische, chemische und physikalische Verfahren und unterschiedlichste Prüfgeräte (z.B. Computersysteme, mechanische Prüfanlagen, Mikroskope und Röntgenapparate) zurück. Diese müssen entsprechend der Anforderungen des Prüfgegenstands sinnvoll ausgewählt und sorgfältig vorbereitet werden. Es werden Materialproben entnommen, die anschließend hinsichtlich ihrer Eigenschaften und eventueller Schäden überprüft werden. Konkret werden bspw. Festigkeit, Temperaturverträglichkeit, Verhalten unter Drucksituationen und Korrosionsschutz untersucht. Für die Durchführung der Testverfahren ist höchste Präzision gefragt, schließlich ist am Ende das entscheidende Urteil darüber zu fällen, ob ein Bauteil nun verwendet werden kann oder ob es nachbearbeitet oder entsorgt werden muss. Werkstoffprüfer liefern also einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit von Mensch und Material in der Luft- und Raumfahrt.
Sie müssen sich mit der Anwendung von Prüfverfahren und -maschinen ebenso auskennen, wie mit den Eigenschaften verschiedenster Materialien und der Funktionsweise von technischen Bauteilen. Ihre Arbeit findet größtenteils in speziell dafür eingerichteten Laboren statt. Der Alltag ist neben der Durchführung von Untersuchungen jedoch auch mit umfassender Bildschirmarbeit ausgefüllt. So müssen vorab Berechnungen, Kalkulationen und evtl. Simulationen durchgeführt und im Nachhinein die Ergebnisse an Rechnersystemen protokolliert und dokumentiert werden. Ausgebildete Werkstoffprüfer werden in der Qualitätssicherung oder in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Unternehmen eingesetzt.
Die Arbeit des Werkstoffprüfers umfasst u.a. folgende Tätigkeitsbereiche:
- Bedienung, Überwachung, Wartung und Instandhaltung von technischen Anlagen, Maschinen und Werkzeugen
- Auswahl geeigneter Prüfverfahren, ordnungsgemäße Durchführung
- u.U. Verwendung von Chemikalien oder physikalischen Methoden
- Auswahl und Bedienung von Messmitteln und -geräten
- Vorbereitung von Proben, Reinigung von Werkstücken
- Berechnung von Soll-Werten, Abgleichen mit
Untersuchungsergebnissen
- Protokollierung von Versuchsabläufen, Analyse von Fehlerursachen, Erstellen von Untersuchungsberichten
Die Ausbildung zum Werkstoffprüfer dauert dreieinhalb Jahre und wird mit Spezialisierungsmöglichkeiten in den Schwerpunkten Halbleitertechnik, Metalltechnik oder Wärmebehandlungstechnik angeboten. Sie findet in Form des dualen Prinzips mit einem regelmäßigen Wechsel zwischen einem Ausbildungsbetrieb und einer Berufsschule statt. Rechtlich ist keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben. Betriebe stellen jedoch überwiegend Bewerber mit einem mittleren Bildungsabschluss oder Abitur ein. Die Zwischen- und Abschlussprüfungen werden von der Industrie- und Handelskammer abgenommen, die Ausbildung endet mit der theoretischen und praktischen Facharbeiterprüfung.
Diese Voraussetzungen sollte ein Auszubildender mitbringen:
- Guter Realschulabschluss oder Abitur
- Neigung zum Umgang mit technischen Geräten, Maschinen und Anlagen
- Interesse an prüfender und kontrollierender Tätigkeit
- Interesse an technisch-physikalischen Zusammenhängen
- Freude an Präzisionsarbeit
- Hang zu planvollem Vorgehen
- Technisches Verständnis
- Logisches Denkvermögen
- Grundlegende Rechenfähigkeiten
- Konzentrationsfähigkeit, Sorgfalt, Belastbarkeit, Genauigkeit
Während der Ausbildung zum Werkstoffprüfer lernt man u.a.:
Werkstoffprüfer
greifen auf verschiedenste mechanische, chemische und physikalische
Verfahren zurückBildquelle: BDLI.de (Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V
- Grundlagen der Metallbearbeitung, Elektronik, Mathematik,
Physikalischen Chemie und des technischen
Zeichnens
- Anwendung von Messtechniken
- Werkstoffkunde, Werkstoffphysik
- Laborarbeiten, Labortechnik
- Untersuchungsvorbereitung, Probennahme
- Versuchsdurchführung und -auswertung, Fehleranalyse
- Zahlreiche Prüfverfahren, z.B.: Röntgenstrukturanalyse,
Ultraschallmessung, chemische
Analyseverfahren, Schweißnahtprüfung, Spektroskopie,
Mikroskopieren, magnetische Prüfverfahren
Das Themenspektrum für eine fachliche Weiterbildung und zusätzliche Qualifizierung ist sehr breit und reicht von der Spezialisierung auf einzelne Mess- oder Prüfverfahren bis hin zum Aufstieg ins Qualitätsmanagement eines Unternehmens. Außerdem ist es möglich, den Stand des Technikers der Fachrichtung Werkstofftechnik oder Physiktechnik zu erlangen. Habt Ihr eine Hochschulzugangsberechtigung in der Tasche, dann bietet sich als Anschlussstudium zum Beispiel der Bachelor im Bereich Werkstofftechnik, Materialwissenschaften oder Physik an.
Egal ob in der Qualitätssicherung in einem Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche oder in der Forschungsabteilung bei der Entwicklung neuer Werkstoffe in einem Institut, für einen ausgebildeten Werkstoffprüfer eröffnen sich in der Berufswelt zahlreiche Möglichkeiten. Ihre Arbeit ist geprägt von vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten und einer großen Verantwortung. Einen tollen Eindruck vom Beruf und der Ausbildung zum Werkstoffprüfer am Beispiel Airbus könnt Ihr Euch nun abschließend noch in diesem Video auf Berufe.tv verschaffen.
Viel Erfolg bei der Bewerbung wünscht Euch
Euer aircareer.de-Team
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(Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Werkstoffprüfer.net, EADS.com)










